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Gedichte

Joseph von Eichendorff schrieb 1818 sein Gedicht "Die zwei Gesellen", welches seit vielen Jahren bei der Behandlung des Themas "Lyrik" in der Oberstufe des Gymnasiums als typisches Beispiel eines Romantik-Gedichtes von Lehrerinnen und Lehrern angeführt und analysiert wird. Es geht dabei um zwei junge Burschen, die ausziehen, um etwas zu erleben und etwas aus ihrem Leben zu machen. Der eine Geselle gründet jedoch alsbald eine Familie, sitzt fortan in seinem von den Schwiegereltern gekauften Häuschen und blickt wehmütig aus seinem Fenster in die Welt, die er nie erleben wird. Der andere Geselle tut das Gegenteil, lässt sich von weltlichen Gelüsten locken, erlebt alles, was man erleben kann und stirbt am Ende als alter, aber einsamer Mann. Jedes Jahr frage ich dabei, nach den unterschiedlichen Lebensauffassungen der Gesellen, aber auch meiner Schülerinnen und Schüler. Dieses Mal sollten sie diesen Lebensauffassungen nun eine Stimme verleihen, indem sie sich einen Gesellen aussuchen und aus seiner Perspektive dem anderen Gesellen in Gedichtform einen Brief schreiben. Die Ergebnisse lesen Sie im Folgenden. Viel Vergnügen!


Mein lieber Freund,

weißt du noch wie wir uns unser Leben vorstellten,

als wir aus unserem alten Leben hinaus in die weite Welt schnellten?

Voller Tatendrang und hoch motiviert,

auch heute bin ich noch daran orientiert.

 

Hab viel erlebt, viel durchgemacht,

dennoch ist es mein Herz das immer noch lacht.

Es war nicht alles riesig, nicht alles perfekt,

dennoch habe ich mich, so wie wir es wollten,

nie irgendwo vor dem Ernst des Lebens versteckt.

 

Jetzt geht es mir zwar nicht so gut,

dennoch verliere ich nicht den Mut.

Will weiter auskosten das Leben,

denn das war es, wonach du und ich streben.

 

Verlockend kann das Leben sein,

doch hast du einmal Sorgen, denk wie ich dran,

du bist nicht allein, denn wie oft in den letzten

Jahren, werden meine Gedanken bei dir sein.

 

Hab oft mich gefragt, wie es dir gehen mag,

und ob dein Leben, ja deins,

genau so deinen Vorstellungen entspricht wie mir

meins, perfekt ist schließlich keins.

 

von Gina Grüning


Mein lieber Hans,

Wärst du dort gewesen, wo ich war,

glaube mir das Glück wäre auch auf deiner Seite gewesen,

ganz und gar.

Ich weiß du hast eine Frau, ein Haus und ein Bub,

doch erinnerst du dich, dies war uns eigentlich nie genug.

Wir wollten Gipfel erklimmen und hoch triumphieren,

über allem, über jeden, Siege erbringen.

Ich habe es gewagt, alles riskiert,

bin wahrhaftig in den Schlund des Teufels spaziert.

Frauen sind mir begegnet, schöner dennje,

Handel habe ich geschlossen, auf Land und auf See.

Ich fuhr mit Schiffen über Ozeane

und Meer, das Leben gab mir mehr, immer mehr, nur her.

Ich konnte nie genug bekommen,

und eines Tages bin ich hart in der kalten Wirklichkeit angekommen.

Ich hatte mein Geld verloren, meine Seele, meinen Stolz.

Und das, was mir bleibt, sind die Erinnerung an

unsere erträumten Abenteuer, die wir gemeinsam vollbringen wollten.

 

Von Rachel Strauch


Lieber Hans,

Schon lange habe ich dich nicht gesehen.

und seitdem ist viel geschehen.

Dein Leben scheint auf Sicherheit gebaut,

außer eine Familie zu gründen hast du dir nichts zugetraut.

 

Mein Leben lief bis jetzt ganz anders ab,

auch wenn nicht immer auf Erfolg bedacht,

oft hab ich mich verführen lassen,

ohne meine eigenen Entscheidungen zu fassen.

 

So viel wie ich erlebt habe,

kann man nicht in Worte fassen.

Jedoch gibt es eine Wichtige Frage,

hast du seit sich unsere Wege trennten einen

Gedanken an mich zugelassen?

 

Mein Leben wurde nicht nur von Positivem verfolgt.

Jedoch bin ich froh über das was ich erlebte

Für uns beide habe ich ein schönes Leben gewollt,

Auch wenn du mich verlassen hast, ich vergebe dir.

 

Von Anne Drah


Lieber Franz,

wie geht es dir mein alter Freund?

Vielleicht sitzt du wie ich in deinem Haus heut‘.

Unsere Träume waren groß und weit‘,

wie vermiss‘ ich unsre Heiterkeit.

 

Ich hab ne Frau, ein  Kind, ein Haus,

alle sagen, mach‘ das Beste draus.

Doch muss ich stets nur mich bedanken,

denn das alles hab ich nicht mir zu verdanken.

 

Ich bin zuhause und geborgen,

Immernoch bleiben da solche Sorgen.

Bin nicht zufrieden mit alledem,

wollten wir doch beide unsren eigenen Weg gehn‘.

 

Behaglich ist’s in diesem Feld,

doch bin ich alles andere als ein Held.

Hast du was mehr aus deinem Leben gemacht?

So hast du jedenfalls Spaß gehabt.

 

Von Elena Bremen


Lieber zweiter Geselle,

Ich weiß, wir hatten diesen Traum,

doch dann begegnete ich dieser Frau.

Sie schenkte mir einen Sohn

und meine Schwiegermutter gab uns was zum wohn‘.

 

Doch heute sitze ich oft da,

schau aus dem Fenster und denke nach.

Was wäre gewesen wenn?

Würde ich dann heute etwas anderes kenn‘ ?

 

Ich mache das Beste aus meinem Leben,

doch es könnte noch so viel anderes geben!

Das Leben war zu mir sehr gütig,

aber oft schau ich dem entgegen etwas wehmütig.

 

Von Melanie Kloß